| Zum Gedenken des 17. Juni: von Nemetico „Die wahren Kommunisten seid nicht ihr, sondern das sind wir!“ -------------------------------------------------------------------------- 17. Juni? War da nicht mal was? Wurde dieses Datum nicht mal „Tag der Deutschen Einheit“ genannt? Richtig. Bis 1989 war der 17. Juni in Westdeutschland Feiertag. 1990 dekretierte die damalige Kohl - Regierung, daß der formelle Anschluß der ehemaligen DDR am 3. Oktober zu erfolgen habe und daß ab da dieser 3. Oktober der „Tag der Deutschen Einheit“ sein solle. Es handelt sich um die Merkwürdigkeit, daß ein Nationalfeiertag nicht etwa ein historisches Ereignis rückblickend würdigt, sondern vielmehr handelte es sich um die Festlegung eines Feiertages im Voraus (Mitte 1990). Entsprechend auch die allgemeine Begeisterung um diesen seltsamen Feiertag. Doch wir wollen über den 17. Juni sprechen, welcher bis 1989 der offizielle Feiertag der West - BRD war. „17. Juni 1953 - Aufstand in der DDR, kein Aufstand in der BRD, seitdem Tag der deutschen Einheit“ So wurde von weiten Teilen der westdeutschen Linken dieser Feiertag gewürdigt. Aber was geschah wirklich am 17. Juni 1953? Szenario 1945 - 1953 Selbst bis heute dauert eine „legendäre“ statt eine wissenschaftliche Sicht der Nachkriegszeit an, welche man auch als die Ära des „Kalten Krieges“ bezeichnet. Im sogenannten „Westen“ wurde eine Weltsicht gehegt, wonach jenseits des „eisernen Vorhanges“ der „Kommunismus“ genannte leibhafte Satan regierte und diesseits das lichte Reich der Engel errichtet war. Entsprechend wurden alle zeitgeschichtlichen Ereignisse in dieses Gut - Böse - Schema eingeordnet. So waren die antikolonialen Freiheitskämpfe der asiatischen Völker (Indochina, Indonesien etc.) natürlich „kommunistische“ Subversionen, während die Putschisten und Söldner in Lateinamerika, die eine us-hörige Militärdiktatur nach der anderen etablierten, als freiheitsliebende Demokraten galten. In Korea kämpften 1950-53 nicht etwa koreanische Nationalisten gegen ehemalige Kollaborateure Japans, sondern „Kommunisten“ gegen „Demokraten“. Mit dem 17. Juni 1953 wurde auch ein Arbeiteraufstand gegen ein arbeiterfeindliches Regime zu einem Freiheitskampf für die deutsche Einheit verklärt. Und er mußte sogar als „Feiertag“ bis 1989 herhalten für die Geschichtslegenden des Imperiums. Es ist gar nicht so leicht, unter dem ganzen Kleister und Propagandalack sich der historischen Wahrheit zu nähern. Unstrittig ist: Stalins Herrschaft war eindeutig eine Diktatur. In ihren Formen und Methoden schöpfte sie nicht etwa aus der Tradition der Arbeiterbewegung und des Sozialismus, sondern vielmehr aus einer uralten russischen Tradition, nämlich dem Zarismus. Es ist kein Zufall, daß Sergej Eisenstein, der legendäre Filmemacher, Stalin (durchaus in dessen Sinne) als Wiedergänger von Iwan dem Schrecklichen portraitierte. In dieser Auftragsarbeit liegen mehr Parallelen als es auf den ersten Blick so aussieht. Durch Reformen von Verwaltung, Rechtswesen und Armee stärkte Iwan der Schreckliche im 16. Jahrhundert die Zentralgewalt des Zaren und förderte den niederen Dienstadel auf Kosten der mächtigen Bojaren. Es kam im Zuge der Isolierung der russischen Revolution zur Entstehung einer Variante dessen, was manche Historiker eine „asiatische Despotie“ nennen. Stalins Regime hatte ungleich mehr Merkmale dieses historischen Vorläufers anstelle von Charakteristika, die man vor Stalin „sozialistisch“ genannt hätte. Zwar war die russische Wirtschaft weitgehend verstaatlicht (könnte man notdürftig als „sozialistisch“ bezeichnen), aber gleichzeitig auch despotisch-bürokratischen Strukturen unterworfen. Ideologisch allerdings gab sich das Regime immer noch als „sozialistisch“ aus, erklärte sich gegenüber den Kommunisten weltweit zum Mutterland der Revolution, obwohl diese spätestens mit den Moskauer Schauprozessen längst politisch liquidiert war. Der Staat, der als Arbeiter- und Bauernstaat begründet worden war, wurde gewissermaßen Privatbesitz einer Schicht, die man bisweilen Nomenklatura genannt hat und deren eigentlicher Schöpfer Stalins Regime war, jenes Regime, das sich in echter zaristischer Tradition in immerfort währenden Säuberungen ständig sowohl erneuerte als auch beständig selbst liquidierte. Dieser widersprüchliche Charakter mußte sich notwendigerweise geradezu gewittermäßig entladen in einem Land, das vor der russischen Revolution (die der Stalinschen Degeneration anheim gefallen war) als das Mutterland des Sozialismus gegolten hatte: in Deutschland nämlich, wo die erste Arbeiterpartei begründet worden war und das ja das Geburtsland von Marx und Engels war. Blicken wir zurück ins Jahr 1945. Nach der Kapitulation des von den Nazis regierten deutschen Reiches wurde Deutschland in vier Besatzungszonen aufgeteilt: eine britische Zone, eine US - Zone, eine französische und eine russische. Schon unmittelbar nach dem Krieg zeichnete sich der bevorstehende „Ost-West-Konflikt“ ab. |
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