Hintergrund Zimbabwe

 

Seit Gründung ihrer Niederlassungen an den Küsten Angolas und Mosambiks im 18. Jahrhundert hatten die Portugiesen das Binnenland des südlichen Afrika von der West- bis zur Ostküste beansprucht, ohne diesen Herrschaftsanspruch ernsthaft durchzusetzen. Im 19. Jahrhundert stellten Briten und Buren die portugiesische Herrschaft im Binnenland unter Verweis auf das Fortbestehen des arabischen Sklavenhandels in Frage und begannen, auch in das Gebiet nördlich des Limpopo einzugreifen. 1888 erwarb der britische Kolonialpolitiker Cecil Rhodes, vom Ndebele-König Lobengula Schürfrechte. 1889 erhielt Rhodes eine Lizenz für die British South Africa Company, mit der er sich 1893 - durch Abteilungen der Kappolizei und angeheuerte Abenteurer unterstützt - das Matabele- Königreich und Gebiete nördlich des Sambesi zu Eigen machte. 1911 wurde Rhodes' Territorium geteilt: in Nordrhodesien (jetzt Sambia) und in Südrhodesien, das 1922 eine selbstverwaltete britische Siedlungskolonie wurde. 1930 wurde das Land in weiße und schwarze Siedlungsgebiete aufgeteilt. 1953 wurden die beiden Teile Rhodesiens wieder vereinigt und mit Njassaland, heute Malawi, zur Föderation von Rhodesien und Njassaland unter Führung von Roy Welenski verbunden. Im Jahre 1963 wurde die Förderation wider aufgelöst. Während im benachbarten Nordrhodesien und Njassaland afrikanische Mehrheitsregierungen die Macht ergriffen, erklärte eine weiße Minderheitsregierung unter Ian Smith am 11. November 1965 einseitig die Unabhängigkeit - unterstützt vom Apartheidregime Südafrikas. Großbritannien nannte die Erklärung zwar eine Rebellion, setzte aber keine gewaltsame Wiederherstellung der alten Zustände durch.

Als sich die Guerillaaktivitäten gegen die Minderheitsregierung gegen Mitte der 70er Jahre verstärkten, begann das Smith-Regime Verhandlungen mit den Führern der ZANU (dominiert vom Stamm der Shona) unter Robert Mugabe  und der ZAPU (dominiert vom Stamm der Ndebele) unter Joshua Nkomo. Als das eigenmächtig errichtete Minderheitsregime am Rand des Zusammenbruchs war, unterzeichnete Smith im März 1978 eine Vereinbarung mit drei schwarzen Führern unter Bischof Abel Muzorewa zur Bildung einer Übergangsregierung. Diese sollte auf eine baldige Konfliktlösung zugunsten der Europäer hinarbeiten, was in Anbetracht des weiterhin eskalierenden Guerillakriegs jedoch illusorisch war. 1979 lud die britische Regierung alle Beteiligten ins Lancaster House um eine Verhandlungsregelung im Bürgerkrieg zu erreichen. Dabei wurde eine Bodenreform bis 1990 verhindert. In den freien Wahlen vom Februar 1980 errang jedoch Mugabe den Sieg, dessen ZANU ihren Rückhalt v.a. unter den zahlenmäßig dominierenden Shona hatte, und begründete damit seine andauernde Karriere als maßgeblicher Lenker Zimbabwes. Zwischen 1980 und 1982 kam es zu zahlreichen militärischen Auseinandersetzungen zwischen ZANU und ZAPU. 1987 erfolgten „Strafexpeditionen“ der Regierung Mugabe (ZANU) nach Nord- und Süd-Matabeleland gegen die konkurrierende ZAPU-Bewegung mit zahlreichen Zivilopfern. Verhandlungen über einen Friedensvertrag erbrachten dann 1987 die Vereinigung mit der ZAPU zur Zanu-PF (1988). Im Jahre 1990 wurde das Einparteiensystem installiert. Eine echte Bodenreform wurde aber nicht durchgeführt, sondern nur Boden aufgekauft und verteilt, wenn die Großgrundbesitzer einverstanden waren. Im Jahre 1999 wurde die Umverteilung des Landes proklamiert, um von Korruption, Misswirtschaft  und Massenentlassungen in Staatsbetrieben abzulenken. Von 1999 bis heute kam es zu zahlreichen Streiks, besonders in Bergwerken, die oft brutal niedergemetzelt wurden.

Aus der Gewerkschaftsbürokratie heraus wurde Mitte der 90er die Partei Movement for Democratic Change[1] (MDC) gegründet. Unter anderem mit Hilfe der Adenauer- und Ebertstiftung. Seit 2000 wird wirklich Land umverteilt, allerdings ohne die Neubauern mit Saatgut, Geräten und Maschinen auszustatten. Deshalb wird das Land oft wieder an Großfarmer zurückverkauft. Bei der Landbevölkerung stieg die Popularität Mugabes. Trotz Nahrungsmittelknappheit (Dürre) wurden weiterhin Lebensmittel zur Devisenbeschaffung exportiert. Die Stadtbevölkerung hat am meisten unter der Nahrungsmittelknappheit zu leiden. Gegen Streiks wird brutal vorgegangen, Gewerkschafter aller Branchen werden verhaftet und erschossen. Die Führung der Gewerkschaft paktiert offen mit der MDC. Doch die MDC hat ein neoliberales Programm und vertritt Interessen amerikanischer und europäischer Unternehmen: Privatisierungen, Ansiedlung ausländischer Konzerne, Sozialkürzungen und Zusammenarbeit mit IWF und Weltbank. Viele Arbeiter und Erwerbslose glauben, dass unter einer MDC- Regierung mehr Arbeitsplätze entstehen. Arbeiter aus der Drucker-, Ingenieurs- und Baugewerkschaft sind da skeptischer. Die fortschrittliche Arbeiterorganisation ISO wird von Anhängern ZANU-PF und MDC angegriffen. Vor den vergangenen Wahlen kam es zu zahlreiche Auseinandersetzungen zwischen ZANU-PF und MDC. Beide werden sich nun nach kenianischem Vorbild annähern unter die Pfründe verteilen. Demonstrations- und Streikrecht, Versammlungs-, Meinungs- und Pressefreiheit werden auf der Strecke bleiben, wenn sie nicht von den Arbeitern in Zimbabwe erkämpft werden. Deshalb gilt unsere Solidarität weder Mugabe noch der MDC, sondern den Arbeitern, die für ihre Rechte streiken, kämpfen und versuchen eine kämpferische Gewerkschaft aufzubauen. Solidarität heißt auch, für den Erhalt dieser Rechte in Deutschland zu kämpfen!

 

Kontakt zur ISO Zimbabwe: iso.zim@gmail.com oder Tel. +263 912 908 847    

 



[1] Bewegung für demokratische Erneuerung