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Arbeitnehmermacht

Posted on: Juni 11th, 2016 by Melchior-Christoph von Brincken

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Wenn man die Menschen fragt, was sie von Sozialismus halten, so stößt man auf Ablehnung. Mauer, Stacheldraht, Selbstschussanlagen und Stasi in der DDR werden genannt; Hitler-Stalin Pakt, Säuberungen und Gulag im Ostblock werden erwähnt.

Arbeitnehmermacht ist etwas anderes.
Fragt man jedoch, was Menschen von Arbeitnehmerselbstverwaltung statt Chefs, Manager oder Bürokraten vor der Nase zu haben halten, bekommt man Zustimmung.

Demokratische Kontrolle über Großkapital und Enteignung von Milliardenvermögen finden Anklang. Soziale Demokratie über die Produktionsmittel durch direkte Kontrolle von unten – also von den Arbeitnehmern am Arbeitsplatz, erntet Zustimmung.

Keine Bürokratendiktatur.
Das System in der DDR und im Ostblock war jedoch eine Bürokratendiktatur – oder auch Staatskapitalismus – wobei die Nomenklatura als gemeinsame Klasse das Kapital besaß  und die Arbeitnehmer zwar pro forma alles besaßen – aber in der Realität nichts, da die Bürokraten alle Entscheidungen trafen und in relativem Luxus lebten.

Soziale Demokratie durch soziale Revolution.
Der Weg zu einer sozialen Demokratie führt über die Aneignung der Wirtschaft durch die Massen, der Enteignung des Groß- und Finanzkapitals, der börsennotierten Großbetriebe.

Karl Marx schreibt:
Die Gesellschaft ist ihrer Form nach eine Demokratie, ihres sozialen Inhalts nach eine Diktatur
.

Also:
Kapitalistische Gesellschaft – Minderheit herrscht = soziale Diktatur.

Also:
Sozialistische Gesellschaft – Mehrheit herrscht  = soziale Demokratie.

Daher stammt ursprünglich auch der Begriff „Sozial Demokraten“.

Wenn die Mehrheit herrscht – soziale Demokratie – diktiert nicht mehr die Minderheit (Das 1% oder das Kapital), sondern die Mehrheit der Arbeit(nehm)er*innen – früher auch das Proletariat genannt.
Daher der Begriff „Diktatur des Proletariats“.

Bürokratendiktatur ist nicht die „Diktatur des Proletariats“.
Im Ostblock kam es mit Stalin zur offenen Machtübernahme der Bürokratenklasse, die in den Wirren der Revolution schon inoffiziell die Macht innehatte. Die Arbeiterschaft strömte während des Bürgerkriegs in die Roten Armee und wurde dezimiert oder flüchtete vor der Hungersnot aufs Land. Die Arbeiter-Räte bildeten ohne die Arbeiter keinen Machtfaktor mehr.

Das Einzige, was blieb, war das russische Wort für Arbeiterrat: „Soviet“.

Stalinismus bedeutete Konterrevolution gegen die Arbeitnehmer*innen.
Diese Machtübernahme der Bürokratenklasse wurde im Ergebnis zu einer staatskapitalistischen Diktatur.
1936 mussten über 80% der Arbeitnehmer 14 Stunden im Akkord arbeiten, um Russland zu industrialisieren. Stalin setzte nicht auf Revolution im Westen, sondern auf Konkurrenz – deshalb Aufbau von Stahl und Rüstungsindustrie und härteste Ausbeutung und Entrechtung der Arbeitnehmer.

Marx angewandt:

Die staatskapitalistische Gesellschaft des Ostblocks war, ihrer Form und ihres sozialen Inhalts nach, eine Diktatur.

Russland war stark unterentwickelt.
In Russland gab es nur 1,4 Prozent Arbeiter*innen – oder wie man heute sagt Arbeitnehmer*innen.
In entwickelten Industrieländern hätte eine Bürokratenkaste – eine Nomenklatura – keine Chance.
Trotz des Katastrophe in Russland kann man ein paar Dinge lernen. Linke, die das Großkapital mittels einer sozialen Revolution wirklich demokratisieren wollen, brauchen eine eigene Organisation.
Die Aufgabe dieser Organisation ist es die Arbeitnehmerbewegungen zu coachen – dass bedeutet die Erfahrungen aus vergangenen Kämpfen in die Bewegungen hineinzutragen.

Arbeiterräte – Streikkomitees.
In den Streiks der Arbeitnehmer entstehen Streikkomitees. Werden Streiks radikaler, so werden Betriebe besetzt. Verschärfen sich die Kämpfe, so bleibt den Kollegen nichts anderes übrig, als wieder die Produktion aufzunehmen – allerdings in Eigenregie. Die Verkehrsbetriebe fahren wieder, die Betriebe produzieren – aber das von den Arbeitnehmern eingenommene Geld wird selbstverwaltet – wieviel Lohn bezahlt wird, wieviel reinvestiert werden muss, entscheiden die Kolleg*innen selbst.

In den Betrieben müssen Entscheidungsträger gewählt werden – die bei jeder Vollversammlung auch abwählbar sind. Diese Diligierten koordinieren sich auch mit anderen Betrieben über das, was produziert wird und darüber wie Angriffe von außen gemeinsam abgewehrt werden können.

Arbeitnehmerstaat.
Übernehmen die Arbeitnehmerräte nach der ökonomischen Macht auch die politische – d.h. übernehmen Armee und lösen das Parlament auf, wobei verschiedene Arbeiternehmerorganisationen in den Räten zu Diligierten kandidieren können – d.h. direkte Demokratie von unten – so wird aus den Räten der Rätestaat. 
Alle Macht den Räten – brecht dem Kapital die Gräten!

Eigene Organisation für Sozial-Revolutionäre.
Die Aufgabe einer revolutionären Organisation bzw. Partei ist es, diese Basisbewegung zu initiieren, zu coachen, zu helfen Fehler zu vermeiden und die Kollegen in diesem Prozess Erfahrungen und Lernprozesse machen zu lassen, die sie selbstbewusst und emanzipiert machen. Die Kolleg*innen kontrollieren und bestimmen dann selbst direkt  Ökonomie und Politik. Dass ist, was Karl Marx mit Sozialismus meinte.

 

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